AYRTON F. STUCKY

ADHS & Geld

ADHS und Geld: Wie du Impulskäufe bremst

Von Ayrton F. Stucky · Oktober 2026 · 6 min Lesezeit

Zehn Jahre lang habe ich Hunderte von Menschen in Finanzfragen beraten. Und ich habe ADHS. Beides hat mich dasselbe gelehrt: Wenn man aus einer Laune heraus Geld ausgibt, ist das fast nie ein Rechenproblem. Rechnen kannst du. Das Problem sind das Dopamin und das Timing.

Warum ADHS Geld kostet

Da ist zuerst die Impulsivität. Zwischen dem Wunsch und dem Kauf liegen zwei Klicks und eine gespeicherte Karte. Dein Gehirn hat keine Zeit, sich die Frage überhaupt zu stellen.

Dann ist da die Suche nach Stimulation. Kaufen tut gut, und zwar sofort. Wenn dir langweilig ist, wenn du gestresst bist oder gerade einen schlechten Tag hattest, ist ein Kauf eine schnelle, einfache Dosis Dopamin.

Dazu kommt, wie ein ADHS-Gehirn Zeit wahrnimmt. Es lebt vor allem in der Gegenwart. Dein Ich vom nächsten Monat, das die Kreditkartenrechnung bezahlen muss, kommt dir vor wie ein Fremder.

Und schliesslich gibt es all das, was Geld kostet, ohne jeden Spass zu machen: zu spät bezahlte Rechnungen, Mahngebühren, vergessene Abos, Rückerstattungen, die du nie beantragt hast. Auf Englisch spricht man von der «ADHD Tax», also einer Art ADHS-Steuer. Bei vielen Menschen wiegt sie schwerer als die Impulskäufe selbst.

Das Problem ist nicht dein Wille

Die meisten Finanztipps gehen davon aus, dass du ein Budget erstellst, es einhältst und im richtigen Moment gute Entscheidungen triffst. Genau das ist mit ADHS am schwierigsten. Ein Budget mit vierzig Zeilen in einer Tabelle gibst du nach zwei Wochen auf. Nicht, weil du unfähig bist, sondern weil es Regelmässigkeit und immer wieder neue Entscheidungen verlangt.

Der richtige Ansatz ist das Gegenteil: die Zahl der Entscheidungen so weit wie möglich reduzieren und Hürden genau dort einbauen, wo dich deine Impulsivität Geld kostet.

Fünf konkrete Hebel

1. Hürden zwischen Wunsch und Kauf einbauen

Lösche die gespeicherten Karten in deinem Browser und auf den Websites, auf denen du am meisten kaufst. Deaktiviere den Kauf mit einem Klick. Entferne die Shopping-Apps von deinem Startbildschirm. Jeder zusätzliche Schritt gibt deinem Gehirn ein paar Sekunden, um wieder die Kontrolle zu übernehmen.

Ergänze das mit einer einfachen Regel: Jeder ungeplante Kauf über einem bestimmten Betrag, zum Beispiel 100 Franken, wartet 48 Stunden. Du schreibst ihn auf eine Liste und schaust zwei Tage später noch einmal hin. In den meisten Fällen ist die Lust dann verflogen.

2. Alles automatisieren, was sich automatisieren lässt

An dem Tag, an dem dein Lohn eingeht, werden automatisch Beträge auf dein Sparkonto und in deine dritte Säule überwiesen und deine fixen Rechnungen bezahlt. Was du nicht entscheiden musst, kannst du auch nicht vergessen. Bei Rechnungen ersparen dir eBill und das Lastschriftverfahren die meisten Mahnungen.

3. Deine Konten trennen

Ein Konto für die Rechnungen, ohne Karte. Ein Konto für die Alltagsausgaben, mit deiner Karte. Und ein Sparkonto, an das du nicht mit zwei Klicks herankommst. Statt ein komplettes Budget zu führen, schaust du nur noch auf eine einzige Zahl: was auf deinem Ausgabenkonto übrig ist.

4. Fünf Minuten pro Woche auf dein Geld schauen

Nicht eine Stunde am Sonntagabend. Fünf Minuten, jede Woche am selben Tag, am besten gekoppelt an eine Gewohnheit, die du schon hast, etwa deinen Kaffee am Montagmorgen. Du schaust dir deinen Kontostand und deine letzten Ausgaben an. Das ist alles. Was sichtbar ist, wird handhabbar.

5. An der Emotion arbeiten, nicht nur am Kauf

Wenn du das nächste Mal aus einer Laune heraus etwas kaufst, notiere, was du kurz davor gefühlt hast. Langeweile, Stress, das Gefühl, zurückgewiesen zu werden, Müdigkeit. Nach ein paar Wochen zeigt sich fast immer ein Muster. Von da aus können wir nach einem anderen Weg suchen, dieses Bedürfnis zu stillen, einem, der nicht über deine Bankkarte läuft.

Woran wir im Coaching arbeiten

In meinem Programm messen wir zu Beginn sechs Bereiche deines Lebens, darunter «Impulsive Reaktionen (Worte, Entscheidungen, Käufe)», also auch deine Impulskäufe. Wir setzen die Hebel ein, die zu deiner Situation passen, justieren Woche für Woche nach und machen am Ende dieselbe Messung noch einmal.

Im Rahmen des Coachings mache ich keine Finanzberatung. Wir arbeiten an deinem Umgang mit Geld, nicht an deinen Anlagen. Aber nach zehn Jahren in der Finanzbranche weiss ich, wie viel schwerer dieser Umgang wiegt als jedes Finanzprodukt.

Möchtest du mit einem Einzelcoaching weiterkommen?

Ein unverbindliches Erstgespräch. Nur wenige Plätze pro Monat.

← Alle Artikel